Der Blick auf die mittel- und osteuropäische Literatur

Das Literaturhaus Oberpfalz richtete schon vor dem Fall des Eisernen Vorhangs immer wieder seinen Blick nach Osten: Autorinnen und Autoren aus der DDR, Rumänien oder Polen waren bereits in den 1980er Jahren zu Gast. Das Spektrum und die Aktivitäten erweiterten sich entsprechend der historischen Entwicklung in den 1990er und vor allem in den 2000er Jahren: eine Tagung zum Thema „Wo liegt Mitteleuropa?“ (mit Péter Esterházy, Zsuzsanna Gahse, Robert Schindel und Bernhard Setzwein) und „Jenseits von Gut und Böse. Das Verschwinden der alten Blöcke und die neue Unübersichtlichkeit“ (mit Juri Andruchowytsch, György Konrád,  Jaroslav Rudiš und Antje Rávic Strubel), aber auch Einzellesungen mit Autoren aus Ungarn, Russland, Albanien, der Slowakei und nicht zuletzt Tschechien zeigen, dass der Blick nach Osten, dass die mitteleuropäische Literatur einen festen Platz im Programmprofil des Literaturhauses Oberpfalz hat.

Seit 2009 war das Literaturhaus deshalb Kooperationsparnter der donumenta, eines Kunstfestivals in Regensburg, das sich jährlich einem anderen Gastland aus dem Raum der Donauanrainerstaaten widmete. So wurden Autoren aus der Slowakei, aus Ungarn, aus Serbien und zuletzt die Gesamtschau "14x14 - Vermessung des Donauraumes" präsentiert.

Als unmittelbarer Nachbar nimmt Tschechien für das Literaturhaus Oberpfalz eine besondere Rolle ein:
Im Jahr 2007 beteiligte sich das Literaturhaus Oberpfalz mit der zweisprachigen Sonderausstellung „Literarische Nachbarschaft. Deutsch-tschechische Autorenkontakte vom Prager Frühling bis zur Samtenen Revolution“  und Lesungen am Programm der Bayerischen Landesausstellung „Bayern-Böhmen“.
Seit 2009 verbindet das Literaturhaus Oberpfalz und das Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren eine grenzüberschreitende Kooperation: deutsch-tschechische  Literaturveranstaltungen, gegenseitige Besuche mit bayerischen und böhmischen Autoren, eine gemeinsam organisierte Literaturfahrt von Böhmen nach Bayern, der Austausch von Ausstellungen und vielfältige Vernetzungsaktivitäten – die beiden Literaturhäuser pflegen eine lebhafte Zusammenarbeit, die vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und der Bayerischen Staatskanzlei unterstützt wird.

Zuletzt organisierten die beiden Häuser ein deutsch-tschechisches Autorentreffen:

13.-15.7.2012: Deutsch-tschechisches Autorentreffen in Lidice zum Thema "Gewalt und Gedächtnis"
Anlässlich des 70. Jahrestages des Massakers von Lidice trafen sich in der heute dort befindlichen Gedenkstätte deutsche und tschechische Autoren, Historiker und Zeitzeugen, um sich über das Thema „Gewalt und Gedächtnis“ auszutauschen. Aus Bayern nahmen Norbert Niemann, Bernhard Setzwein und Thomas Muggenthaler teil, aus Hessen kam Pete Smith dazu, der vom Hessischen Literaturrat eingeladen wurde, die tschechischen Teilnehmer waren Radek Fridrich, Ludĕk Navara, Marek Šindelka und Kateřina Tučková.
Nach der Begegnung mit diesem Ort und seiner Geschichte waren die Teilnehmer gebeten, darüber zu schreiben und die Ergebnisse erscheinen dieser Tage zweisprachig  im Autoren-Blog des Literaturportals Bayern. Sie finden dort auch jeweils Kurzbiographien zu den Autoren. Der Beitrag von Thomas Muggenthaler ist ein Hörfunk-Feature, das am 20. April 2013 auf Bayern 2 in der Reihe „Weitwinkel“ (7.30 Uhr) ausgestrahlt werden wird.



Aktuelle Veranstaltungen zum Thema:

6.2.2013: Polska / Bawaria: Ein Literaturaustausch mit Andrzej Stasiuk und Franz Dobler
Andrzej Stasiuk, 1960 in Warschau geboren, in den Beskiden lebend, gilt als Polens wichtigster Gegenwartsschriftsteller der jüngeren Generation. In Lesung und Gespräch stellt der Augsburger Schriftsteller Franz Dobler den Autor mit seinen Büchern „Hinter der Blechwand“ (Roman, 2011) und „Tagebuch, danach geschrieben“ (2012) vor.
Das Austausch-Programm sieht auch eine Lesung im Münchner Gasteig vor. Die Veranstaltungen in Sulzbach-Rosenberg und München sind der Auftakt für weitere Begegnungen zwischen polnischen und bayerischen Autoren, Verlegern und Literaturinstitutionen.
In Kooperation mit Kulturallmende und dem Suhrkamp Verlag. Gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst.
Das detaillierte Programm finden Sie hier.


Hier können Sie sich über frühere Veranstaltungen zum Thema informieren:

Donumenta "14x14 - Vermessung des Donauraumes", 2012
Das Programm zur Donumenta 2012 finden Sie hier.

20.10.2012: "Grenzgänger" Blick donauabwärts
"Grenzgänger" nennt sich ein Stipendienprogramm der Robert Bosch Stiftung, das Autoren und Künstler bei Recherchen für grenzüberschreitende Publikationsprojekte in den Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas, aber auch Nordafrikas unterstützt. Als Ergebnisse entstehen Bücher, Filme und Hörfunkbeiträge. Einige „Grenzgänger“ haben sich mit ihren Arbeiten im Literaturhaus Oberpfalz vorgestellt: Michal Hvorecký, Akos Doma, Tamara Milosevic und Melinda Nadj Abonji.Der Blick richtet sich dabei donauabwärts in die Slowakei, nach Ungarn, Bosnien und Serbien.

22. - 24.7.2011: Deutsch-tschechisches Autoren- und Übersetzertreffen im Europäischen Comenium Eger
Ergebnis des Treffens ist eine Textsammlung, die in Ausschnitten in der Zeitschrift aviso. Zeitschrift für Wissenschaft und Kunst in Bayern 4 / 2011 (hrsg. vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst) abgedruckt ist und vollständig zweisprachig auf dem literaturportal bayern nachzulesen ist.

Donumenta Serbien, 2011

Literaturfahrt von Böhmen nach Bayern, 2010

Donumenta Ungarn, 2010
Das Programm zur Donumenta 2010 finden Sie hier.

Das Literaturhaus Oberpfalz und das Prager Literaturhaus, 2009

Donumenta Slowakei, 2009
Das Programm zur Donumenta 2009 finden Sie hier.

Blick nach Böhmen und auf den Balkan, 2008

Neue tschechische Literatur, 2007

„Wo liegt Mitteleuropa?“, 2000
 

Das Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren ist seit 2009 Kooperationspartner des Literaturhauses Oberpfalz